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Wie muss ich mir die medizinische Hypnose vorstellen?

Wie bereits James Braid feststellte, ist die Hypnose kein schlafähnlicher Zustand. Die Hypnose ist ein höchst konzentrierter, fokussierter, tiefenentspannter Zustand. Es ist eine Art Kontaktaufnahme mit dem Unterbewussten (Nicht-Bewussten). Unser Unterbewusstes hat keine Sprache. Es kann uns aber innere Bilder und Symptome schicken. Unsere innere Vorstellungskraft ist während dem hypnotischen Zustand geschärft und wir können innere Bilder, welche wir nicht bewusst produzieren sondern aus dem Unterbewussten entstehen, wahrnehmen. Diese Bilder können uns Lösungen für bereits lange bestehende Probleme, körperlicher und seelischer Art, aufzeigen. Laut Aristoteles denkt die Seele nie ohne ein Bild.

Im Zustand der medizinischen Hypnose sind Menschen zu erstaunlichen Dingen fähig. Sie können bestimmte Körperfunktionen wie ihren Herzschlag steuern. Sie können Bereiche ihres Körpers völlig empfindungsfrei machen, so dass Zahnbehandlungen und sogar Operationen ohne Narkose durchgeführt werden können. Menschen, die bislang von Zigaretten abhängig waren, fühlen sich nach einer Hypnosebegleitung vom Zwang zu rauchen befreit. Und auf 'magische' Weise purzeln nach einer Hypnose zur Gewichtsreduktion die Kilos. Menschen können sich an lange vergessen Geglaubtes erinnern. So können zum Beispiel in der Hypnose prägende Ereignisse in der Vergangenheit aufgesucht werden und, sofern angezeigt, aus jetziger, erwachsener Sicht neu beurteilt werden. Dadurch werden Veränderungen, zum Beispiel von alt eingefahrenen Verhaltensmustern möglich.

Im hypnotischen Zustand sind rein auf Grund der Vorstellungskraft Probehandlungen möglich. Bei Flugangst ist es zum Beispiel möglich, angstfrei und in entspanntem Zustand eine Flugreise zu absolvieren. Die neu eingeübten Verhaltensweisen können dann erfolgreich in der Realität umgesetzt werden.

Wie läuft eine Hypnosebehandlung ab?

Zu Beginn einer Hypnosetherapie steht das ausführliche Gespräch. Es geht zuerst einmal darum, das Anliegen des Patienten möglichst genau zu erfassen, die Zusammenhänge aufzuspüren und die Stärken und Ressourcen des Patienten zu ermitteln.

Ein Beispiel soll dies veranschaulichen: Eine Dame in mittlerem Alter berichtete, dass sie abends immer wieder unerklärliche Brustbeklemmungen und Atemnot verspüre. Sie möchte dies nun hypnotherapeutisch angehen. Im Gespräch stellte sich heraus, dass sie sich von anderen Leuten immer wieder klein machen liess, auch von ihrem Ehemann, welcher abends nach Hause kam. Früher war sie eine erfolgreiche Kauffrau und wurde von ihren Kolleginnen und Vorgesetzten sehr geschätzt. In der Hypnose wurde nun eine Reise in die Vergangenheit gemacht, zu dem Zeitpunkt als sie erfolgreich war und sich anerkannt fühlte. Die positiven Gefühle aus dieser Zeit wurden aktiviert und in die heutige Zeit 'transportiert'. Immer wenn sie sich klein gemacht fühlte, aktivierte sie innerlich die guten Gefühle aus der früheren Berufszeit. Die Beklemmungen und die Atemnot verschwanden. Die Patientin nahm in der Folge die Berufstätigkeit wieder auf und gestaltete die Beziehung zu ihrem Ehemann neu.

Bei der Einleitung der Hypnose geht es darum, die Aufmerksamkeit der Patienten zu bündeln. Eine uralte, bewährte Methode ist die Punktfixation. Der Patient wird aufgefordert, seine gesamte Aufmerksamkeit auf einen Punkt im Raum zu richten, immer auf den gleichen Punkt zu schauen, so intensiv und konzentriert wie dies nur möglich ist. Die Bündelung der Aufmerksamkeit ist der erste Schritt, um die Beschäftigung mit den vielen Gedanken, welche uns dauernd durch den Kopf gehen, auszuschalten.

Die Hypnose ist ein Zustand von hoher Kreativität, in welchem unsere geistige, psychische und physische Aufmerksamkeit, unser Denken und Wollen ganz fokussiert sind. Wir sind dabei frei von Befangenheit, innerer Kritik oder irgendwelchen Befürchtungen.

Nach der Bündelung der Aufmerksamkeit können Suggestionen für eine Veränderung der Körperwahrnehmungen gegeben werden, welche sich in der Regel auf Entspannung und ein ruhiges, gelöstes Atmen beziehen. Unterstützt wird dieser Zustand, indem zum Beispiel dem Patienten suggeriert wird, dass er sich an einem Strand oder an einem für ihn angenehmen und sicheren Ort befinde. Er nehme das Rauschen, den Geruch und die Weite des Meeres wahr, spüre die Wärme des Sandes und bemerke, wie innerlich ein wohliges, zufriedenes Gefühl aufsteige. Durch die Aktivierung der inneren Vorstellungskraft wird es dem Patienten nun möglich, mit den aus dem Unterbewussten aufsteigenden Bildern sein therapeutisches Thema anzugehen.

Die Aktivierung der Vorstellungskraft und Bündelung der Aufmerksamkeit kennen wir auch aus dem alltäglichen Leben. So 'verlassen' wir den Alltag zum Beispiel in Tagträumen, die spontan, ohne unser bewusstes Zutun entstehen. Wenn wir zum Beispiel von einem Film oder Buch so intensiv gefesselt sind, dass wir unsere Umgebung völlig vergessen, befinden wir uns auch in einem hypnose- oder tranceähnlichen Zustand. Der Unterschied zwischen der Hypnose und einem Tagtraum besteht in der deutlich grösseren Intensität, mit der sich der Patient in der vom Arzt mitgestalteten inneren Realität befindet, und darin, dass der Inhalt der Vorstellungsaktivität im Sinne eines therapeutischen Zieles gelenkt wird.

Verliere ich während der Hypnose die Kontrolle über mich?

Nein. Den hypnotischen Zustand erzeugen Sie selber. Jede Hypnose ist somit eigentlich eine Selbsthypnose. Und weil Sie den Hypnosezustand selber machen, verlieren Sie nie die Kontrolle. Sie können zu jeder Zeit selbst die Hypnose unterbrechen und in das Hier und Jetzt zurückkehren. Meine Aufgabe ist es, Sie anzuleiten und zu begleiten. Es ist auch nicht möglich, dass ich Ihnen irgendetwas, das Sie auf keinen Fall möchten, einsuggeriere. Ich kann Ihnen zum Beispiel nicht einsuggerieren, dass Sie nach der Hypnose die nächste Bank überfallen werden, wenn Sie dies nicht möchten.

Bei welchen Erkrankungen kann die Hypnose hilfreich sein?

Bei körperlichen und seelischen Krankheiten, welche durch die Aktivierung der Selbstheilungskräfte gebessert oder geheilt werden können, hilft die Hypnose. Es sind dies vor allem Krankheiten und funktionelle Beschwerden aus dem psychosomatischen Formenkreis, welche vor allem durch Stress ausgelöst werden, wie zum Beispiel viele Formen von Ängsten, wie z. B. Flug- oder Platzangst, Prüfungs- und Zukunftsängste, Angst vor Spinnen, Zwänge, Nervosität, Schlafstörungen, Herz-Kreislauferkrankungen, hoher Blutdruck, Verdauungsbeschwerden, Atemstörungen, chronische Schmerzen, Migräne, erhöhte Infektanfälligkeit, Vorbereitung auf eine Operation, Unterstützung der Wundheilung, Raucherentwöhnung, Begleitung bei Krebserkrankungen, Trauerbegleitung, Burn-out-Thema, Zahnmedizin, Sporthypnose usw.

Die Hypnotherapie kann problemlos mit anderen medizinischen Therapieformen und speziell auch mit der Homöopathie kombiniert werden.


Literaturhinweise

  • Hypnose hilft Rudolf Endemann, Param Verlag
  • Hypnose - wie sie wirkt und wem sie hilft Walter u. Bärbel Bongartz, Rororo Verlag
  • Sport-Hypnose Rüdiger Eck, Books on Demand